GESCHICHTE DER HOMÖOPATHIE
‚Des Arztes höchster und einziger Beruf ist es Kranke gesund zu machen, was man heilen nennt.’
Samuel Hahnemann.
Dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann, war schon bekannten Ärzten wie Hippocrates und Paracelsus bekannt, doch erst Samuel Hahnemann entwickelte diese Theorie weiter bis zur eigenständigen Heilkunst, der Homöopathie.
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Samuel Hahnemann und die Entstehung der Homöopathie
Christian Friedrich Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 in Meissen geboren. Sein Vater war Porzellanmaler.
1775 – 1779 studierte er Medizin an den Universitäten Leipzig und Wien. Neben dem Studium bildete er sich autodidaktisch in Sprachen und Naturwissenschaften weiter. Er beherrschte schliesslich neben seiner Muttersprache sieben weitere Sprachen. So konnte er sich das Medizinstudium mit Übersetzungen und Fremdsprachenunterricht verdienen.
1782 heiratete der junge Arzt Henriette Leopoldine Küchler, die Stieftochter eines Apothekers, bei welchem Hahnemann zuvor seine Kenntnisse in Chemie und Arzneimittelherstellung vertiefte. Hahnemann eröffnete eine ärztliche Praxis, war aber mit den damals üblichen Behandlungen nicht einverstanden. Aus diesem Grunde schloss er nach bloss zwei Jahren seine Praxis und widmete sich fortan der Chemie und Schriftstellerei und verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Übersetzung medizinischer Werke.
1790 übersetzte er die Materia Medica von William Cullen (einer der bekanntesten Ärzte seiner Zeit) über die Behandlung der Malaria mit Chinarinde. Dieser schrieb die Wirkung bei Malaria der bitteren und zusammenziehenden Eigenschaft der Chinarinde zu. Hahnemann glaubte jedoch, dass die Wirkung auf einen anderen Faktor zurückzuführen sei, denn es gäbe Substanzen, die weitaus bitterer und von stärker zusammenziehender Kraft seien, bei der Behandlung von Malaria aber keine Wirkung zeigten. Hahnemann entschloss sich zum Selbstversuch.
Seine Feststellung war erstaunlich: durch die Einnahme der Chinarinde zeigten sich dieselben Symptome, die auch bei Malaria auftreten. Hahnemann hatte durch diesen Versuch das Ähnlichkeitsprinzip nachgewiesen, dass also Ähnliches (Krankheitssymptome) mit Ähnlichem (Arzneimittelwirkung) geheilt werden kann: Similia similibus curentur. Hahnemann prüfte seine These weiter und führte an sich, seiner Frau, seinen elf Kindern und mit engen Freunden weitere Arzneimittelprüfungen durch, bis er sechs Jahre später im Jahr 1796 seine Theorie publizierte. 1796 wird seither als Geburtsjahr der Homöopathie bezeichnet. Das Ähnlichkeitsprinzip war jedoch schon lange vor Hahnemann bei Ärzten von Hippocrates bis Paracelsus bekannt, doch erst Hahnemann entwickelte die Theorie weiter zur eigenständigen Heilkunde.
Bei seinen Selbstversuchen stellte Hahnemann fest, dass viele Stoffe auf den Organismus zu aggressiv wirkten, die Symptome verschlimmerten sich. Er begann diese Arzneigrundstoffe zu verdünnen. Dabei merkte er bald, dass das blosse Verdünnen die Heilkraft des Mittels allmählich vollständig zum Verschwinden brachte. Also begann er die Grundstoffe stufenweise mit einem Alkohol-Wasser-Gemisch zu verdünnen und was hierbei sehr wichtig ist, diese neue Lösung nach jedem Verdünnungsschritt kräftig zu verschütteln. Durch diesen Vorgang der Potenzierung wird die Kraft des Heilmittels erst entfaltet und somit die Heilwirkung verstärkt.
1810 publizierte Hahnemann sein Hauptwerk, die erste Auflage des Organons der rationellen Heilkunde, in welchem er die Theorie und Praxis der Homöopathie darstellte. Bis zu seinem Tod sollen noch 4 weitere Auflagen folgen, die sechste und letzte wird erst 80 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht.
Von 1811 – 1821 hielt Hahnemann Vorlesungen über die Homöopathie an der Universität Leipzig, veröffentlichte weitere Werke wie die Reine Arzneimittellehre und begann die Krankengeschichten seiner Patienten ganz detailliert aufzuzeichnen und auszuwerten. Er erkannte dabei, dass die einzelnen Erkrankungen eines Patienten und seiner direkten Vorfahren oder Nachkommen in starkem Zusammenhang standen. So entwickelte er die Miasmenlehre, die er 1828 in seinem Werk der Chronischen Krankheiten veröffentlichte.
Hahnemann’s Lebenswandel kann man bisher als eher bieder bezeichnen: er genoss Dünnbier und rauchte, pflegte Pünktlichkeit und Regelmässigkeit. Sein Leben war geprägt von Existenzsorgen, Umzügen, Praxiswechseln. Umso überraschender waren seine Veränderungen nach dem Tod seiner Frau Henriette 1830, als er sich 1834 im stattlichen Alter von 78 Jahren in eine glühende Verehrerin seiner Heilkunst verliebte. Mélanie war 36-jährig und Künstlerin aus Paris. Nur ein Jahr später heirateten sie und zogen nach Paris. In Deutschland hinterliess er eine zerstrittene Anhängerschaft, Feinde aufgrund seines cholerischen Temperaments und erbschleichende Kinder. In Paris hingegen genoss er alle Verehrungen, führte zusammen mit Mélanie eine lukrative Praxis mit Patienten aus ganz Europa, veröffentlichte weitere Schriften und nahm am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil.
Am 2. Juli 1843 starb er im hohen Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Bronchitis. Er wurde auf dem Pariser Friedhof von Montmartre beigesetzt, 1889 jedoch auf den Prominentenfriedhof Père-Lachaise überführt, wo sein Grab noch heute besucht werden kann.
1921, also erst 111 Jahre nach der ersten Ausgabe des Organons, erscheint die 6. Ausgabe mit vielen Erweiterungen, neuen Herstellungsverfahren für homöopathische Arzneien und Dosierungsrichtlinien. Auch die Herstellung und Dosierung der Q- / resp. LM-Potenzen wird erst in dieser 6. und letzen Ausgabe des Organons publiziert.
Durch Schüler und Nachfolger Hahnemanns breitete sich die Homöopathie über die ganze Welt aus und hat heute ihre Hauptschwerpunkte in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Südamerika und vor allem auch in Indien.
homöopathie für frau und kind